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  • Ausführliche Geschichte des Gutes Nustrow

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Gutshaus Neu Bartelshagen im Kalender 2019

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Ausführliche Geschichte des Gutes Nustrow



Zitat aus dem Buch:

"Die Nachrichten über Nustrow beginnen sehr spät. So wurde 1381 Reymer MALLIN auf Nustrow genannt. Bald darauf ist es in die Hände der Familie von BEHR gegangen.

Mit dem Mord an Degener BUGGENHAGEN im Jahre 1420 in Stralsund gerät Nustrow in den Blick der Geschichte. BUGGENHAGEN war Erblandmarschall des Herzogtums Pommern-Wolgast. Sein Mörder war Vicke BEHR auf Nustrow, auf dessen Seite mehrere seiner Brüder beteiligt waren. Vicke BEHR ertrank auf der Flucht. Seine Leiche wurde durch Stralsund geschleift und gerädert. Die Rache der Stralsunder und Greifswalder Bürger war durch den Tod des Vicke BEHR jedoch noch nicht befriedigt. So zogen sie nach Nustrow, zerstörten die Burg der Behrs und nahmen mit Henneke BEHR einen weiteren Beteiligten am Mord an BUGGENHAGEN fest, der auch in Stralsund gerädert wurde. An der Seite der Stralsunder kämpften die Moltkes auf Strietfeld. Die Moltkes und Behrs versöhnten sich 1424.

Unmittelbar nach der Schleifung der Burg wurden die Gebäude wiederaufgebaut. 1425 versprach Gerd BEHR, die Gebäude wieder abzureißen und nie wiederaufzubauen. Diese Verpflichtung wurde entweder bald aufgehoben oder nie befolgt. Denn Anfang des 16. Jahrhunderts stand hier eine Burg, die zu den bemerkenswertesten Burgen im Land gehörte. 1440 schloss Gerd BEHR auf Nustrow endgültig Frieden mit den Pommern.

Nach seinem Tod ging Nustrow an seinen Vetter Vicke BEHR über, weil Gerd kinderlos geblieben war. Vicke BEHR ist von 1455-1482 nachzuweisen. Nach Vickes Tod geht Nustrow an seinen Neffen Joachim BEHR, der 1487-1501 auf Nustrow nachzuweisen ist. Von nun an bis 1794 blieb Nustrow ununterbrochen im Besitz der direkten Nachfahren des Joachim von BEHR.

In der Zeit des 30-jährigen Krieges wurde Nustrow verwüstet. Lebten 1628 in Nustrow noch fünf Bauern und fünf Kossaten, so war der Ort 1638 wüst.

Am 04.Dezember 1694 stirbt als Besitzer von Nustrow Heino von BEHR, der am 13. März 1694 in Lübchin beigesetzt wird. Seine Grabplatte ist in Behren Lübchin noch vorhanden. Ihm folgt als Besitzer sein Sohn Georg Christoph, der am 23. Januar 1723 und in Basse in seinem Erbbegräbnis bestattet wird. Nächster Besitzer wird sein Sohn Melchior Mathias, der am 14. Juni 1754 in Rostock stirbt und in der dortigem St. Marien Kirche am 17. Juni 1754 beigesetzt wird. Nun übernimmt sein Bruder Joachim Ehrenreich von BEHR Nustrow und das Gut bleibt bis 1794 in den Händen der Familie von BEHR.

In diesem Jahr übernimmt Engel Carl Ernst von SCHACK das Gut Nustrow. Nach dessen Tod am 10. Dezember 1811 in Nustrow übernimmt sein zweiter Sohn Ernst Peter das Gut, der älteste Sohn Christian erbt das Gut Grammow. Ernst Peter ist Landrat und lässt das Gutshaus Nustrow nach 1825 abbrechen, um es bis 1837 neu zu bauen. Im Jahr 1825 lässt er eine Grabkapelle auf dem Friedhof in Basse errichten. Es folgt nach dem Tod von Ernst Peter von SCHACK am 01. Oktober 1842 sein Sohn Adelbert Heinrich Christian Friedrich, der 1843 den Lehnseid leistet. In der Zeit um 1870 hat sich seine Mutter Christiane von SCHACK geb. LORENZ in einem heftigen Streit mit dem Pastor STARCK derart überworfen, dass sich die Familie in Basse auspfarren lässt. Sie wird als „sehr tüchtige, aber selbstherrische Frau“ beschrieben, die „das Regiment 50 Jahre führte.“

Neuer Gutsbesitzer auf Nustrow wird Hans Emeke von SCHACK, der das Gut von seinem am 06. November 1881 verstorbenen Vater übernimmt. Hans Emeke hatte nur einen Sohn, der als Leutnant im Dragoner-Regiment 18 am 13. Oktober 1906 im Alter von 21 Jahren an Gehirnschlag nach einer Gehirnerschütterung starb. Verheiratet war Hans Emeke von SCHACK mit Anna Ottilia Adolphine Christiane von der DECKEN (1857-1926). Ihr Vater starb bei ihr 1881 in Nustrow, ihre Mutter 1887 in Doberan. Beide Eltern wurden in Basse bestattet. Die Grabplatten für die Eheleute sind noch vorhanden. Im Jahre 2019 wurde die Kette dieser Grabeinfriedung gestohlen.

Hans Emeke verkaufte das Gut Ende September 1912 für 1,65 Millionen Mark an Hans PRÖMMEL, der vorher Gutspächter auf Wotenick bei Demmin war und auch dort am 02. Februar 1883 geboren wurde. Die Übergabe des Gutes fand im Oktober 1912 statt. Hans PRÖMMEL wurde zusammen mit seiner Tochter Gerda 1945 von den Russen ermordet und beide Leichname den Schweinen zum Fraß vorgeworfen. Im Park von Nustrow befindet sich ein Gedenkstein für Hans Prömmel, seine Tochter Gerda und weitere Opfern der Ereignisse von 1945.

1929 gab es in Nustrow eine seltsame Hexengeschichte, die die Gemüter erregte:
Eine Frau SCHMIDT, Schnitterin, beschuldigte eine junge Frau KLUWE, dass die ihre Kinder verhext hätte. Alles gute Zureden der Gutsherrschaften, um die Sache zu schlichten, half nicht. So kam die Sache wegen Beleidigung an das Amtsgericht Tessin. Der Richter wollte die Sache gütlich klären, aber Frau SCHMIDT blieb unbeirrt bei ihren Behauptungen und wurde darauf zu 30 Mark Strafe wegen Beleidigung verurteilt. SCHMIDT ließ die Verurteilung nicht auf sich sitzen und ging in Berufung an das Landgericht. Zusammen mit einer anderen Schnitterin, Frau WAHLI, verbrannte SCHMIDT ihre Betten, weil sie in den zusammengeknüllten Federn Kränze, Kugeln und einen Sarg gesehen hätte. Die Schmidtschen Kinder mussten fortan ohne Betten schlafen. Als die Frau KLUWE nach dem Befinden der Schmidtschen Kinder fragte, sah die SCHMIDT das als Bestätigung, dass KLUWE eine Hexe sei. Weitere Bestätigung bekam die SCHMIDT, als sie hörte, dass die Mutter der KLUWE, eine Frau POOL aus Gnoien, auch eine Hexe sein sollte und dass sie diese „Wissenschaft“ von ihrem Onkel erlernt hätte.
Die sozialdemokratische Rostocker Zeitung „Hanseat“ berichtete über diese Geschichte in einem Artikel und stellte die Frage, „welche Schulbildung der Junker in Nustrow im Junkerparadies hätte angedeihen lassen.“ Dabei wurde unberücksichtigt gelassen, dass es sich um Schnitter, also um Saisonarbeiter aus Wolhynien handelte. Wie diese Sache vor dem Landgericht ausging, vermittelt uns die Chronik nicht."