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Ein Gutshaus für eine ganze Gruppe!

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Gutshaus (Herrenhaus, Schloss) Schlieffenberg

Mit Lehnsbrief vom 21. November 1781 erwirbt der Staatsminister und Generalleutnant Martin Ernst von Schlieffen (1732 bis 1825) die Lehngüter Niegleve und Tolzin nebst dem Bauerndorf Zierhagen für 56.000 Reichstaler aus dem von Engelschen Konkurs.




Die Geschichte des Gutes Schlieffenberg und seiner Besitzer von Carsten Rohwer

Schlieffen legt Zierhagen nieder und an dieser Stelle entsteht das Gut Schlieffenberg. Die vormals hier ansässigen Bauern versetzte er in die Tolziner Feldmark, dem heutigen Neu-Zierhagen.

Am 23. März 1802 stiftet Schlieffen das Majorat Schlieffenberg und erbaut auf den Fundamenten von etwa 1400 ein klassizistisches Herrenhaus. Es ist ein kompakter Bau mit Walmdach und Mittelrisalit. Am 7. Juli 1818 wird Schlieffenberg mit Niegleve und Tolzin zum Fideikommiß. Als Martin Ernst von Schlieffen am 15. September 1825 kinderlos im hohen Alter von 93 Jahren verstirbt, wird der am 11. April 1812 in den preußischen Grafenstand gehobene Neffe, Generalleutnant Heinrich Wilhelm Graf von Schlieffen (1756 bis 1842) Besitzer des neugegründeten Majorats Schlieffenberg. Bereits 17 Jahre vor seinem Tode, tritt Heinrich Wilhelm das Gut ebenfalls an einen Neffen, Wilhelm Graf von Schlieffen (1790 bis 1836) gegen eine jährliche Zahlung von 4.000 Talern im Jahre 1826 ab.

Wilhelm Graf von Schlieffen stirbt 45-jährig und hinterläßt seine Ehefrau, Sophie Elisabeth, geb. von Jagow (1803 bis 1871) und den damals 6-jährigen Grafen Wilhelm Martin Ernst Ludwig (1829 bis 1902). Nach dem frühen Tod des Grafen übernimmt Johann Pogge vom Nachbargut Roggow die Verwaltung des Majorats Schlieffenberg. Durch die längere vormundschaftliche Verwaltung wird das Gut zu hoher wirtschaftlicher Blüte gebracht, so daß der 4. Majoratsherr Wilhelm Martin Ernst Ludwig Graf von Schlieffen unter außerordentlich günstigen Bedingungen den Besitz antreten kann. Die Pogge-Gedenksteine am Schlieffenberger See zeugen noch heute von der guten Beziehung der gräflichen Familie zu den Pogges aus Roggow.

In die Zeit des jungen Grafen Wilhelm fällt eine rege Bautätigkeit auf dem Gut. Er ist der Stifter der Schlieffenberger Gnaden-Gottes-Kirche nebst Pfarre, die 1859 fertiggestellt wird. Heute führt eine Lindenallee von der Landstraße hinauf auf die kleine Anhöhe, auf der Kirche und Friedhof nebst der gräflich von Schlieffenschen Grablege ihren Platz haben. Auf einem bronzezeitlichen Hügelgrab, unter einer alten Stieleiche, die ihre Äste schützend über die Gräber streckt, befinden sich die Grabkreuze von zehn Familienmitgliedern derer von Schlieffen. Als Baumeister gewinnt der Graf den Nürnberger Architekten Carl Alexander Heideloff. Die gute Zusammenarbeit mit Heideloff bedingt weitere Umbaumaßnahmen für zwei Wirtschaftsgebäude und das Herrenhaus in Schlieffenberg in den Jahren 1858 bis 1863.

Der Umbau des unter Martin Ernst nach 1802 entstandenen klassizistischen Gutshauses wurde 1859 begonnen, größtenteils fertiggestellt dürfte er um 1861 gewesen sein. Die Arbeiten zur Innenausstattung zogen sich bis um 1863 hin. Es ist wahrscheinlich, dass der klassizistische Vorgängerbau in seinem Kern erhalten und durch Anbauten ergänzt wurde. Ein Grundriss, der in seinen wesentlichen Merkmalen umgesetzt wurde, weist eine rechteckige Struktur auf. Bei der Eingangsseite im Norden dürften der Mittelrisalit und der rechte Seitenrisalit des unter Martin Ernst erbauten Herrenhauses übernommen und auf der linken Seite durch einen vorgelagerten Anbau erweitert worden sein. Die Südseite des Gebäudes erhielt ebenfalls einen Mittelrisalit und wurde von einem achteckigen, angeschobenen Turm sowie einem polygonalen Apsidenanbau flankiert. Ein Vorbau erweiterte die Querseite im Westen. Die eigentliche Schaufassade des Gebäudes war die Südseite, die sich über dem Schlieffenberger See weithin sichtbar in die Landschaft erhob. Das schloßähnliche Herrenhaus von drei Stockwerken mit Mittelrisalit, dessen Treppengiebel der norddeutschen Bürger- und Rathausarchitektur nachempfunden ist, wird an der Ostseite durch einen massiven Turm flankiert, der einen weiten Blick in die reiche Seenlandschaft erlaubt. Die westliche Seite wird dominiert von einem quadratischen Turm, der mit niedrigen Giebelaufbauten und Ecktürmchen sowie einem spitzen Turmhelm abschließt. Nach dem vorhandenen Bildmaterial zu urteilen, erhielt das Gebäude eine weiße Fassade. Das Herrenhaus Schlieffenberg stand in einem Austauschverhältnis zu den ebenfalls um diese Zeit neugotisierten Herrenhäusern der Nachbargüter Vogelsang und Bartelshagen.

Hinter dem Gutshaus erstreckt sich bis zu den Ufern des Schlieffenberger Sees der noch heute gepflegte Landschaftspark, der einen dendrologisch besonders wertvollen Baumbestand aufweist. In Ufernähe des Parks ist ein Teehäuschen aus von Schlieffenscher Zeit erhalten. Am See entlang führt der sogenannte "Königsstrich" vorbei an den Fundamenten des Schlieffenschen Bootshauses zu einer idyllischen Badestelle zwischen Schlieffenberg und Roggow.

Im Jahre 1929 geriet die Grafenfamilie infolge der Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten und der letzte Besitzer derer von Schlieffen, Martin-Ernst Julius Karl Graf von Schlieffen (1859 bis 1935) musste Konkurs anmelden. Das Gut wurde im Rahmen einer Zwangsversteigerung von dem Berliner Rittmeister Walter Wilken erworben, der es 1933 jedoch an die Mecklenburgische Landgesellschaft veräußerte, die das Gut aufsiedelte. Nach 1933 erwarb der in Berlin lebende Mediziner Prof. Dr. Erwin Gohrbandt (1890 bis 1965) das Herrenhaus nebst Park. Seinen Enkeln gehört auch heute noch einiger Grundbesitz in Schlieffenberg. 1938 wurde der östliche Turm des Gebäudes abgesprengt, um die Steuerlast der Luxussteuer zu senken. Ansonsten blieb das Gebäude in den Kriegswirren unversehrt und diente zum Kriegsende schließlich als Flüchtlingsunterkunft für etwa 200 Personen. Im Januar 1947 froren die Wasserleitungen im Herrenhaus ein und man versuchte sie mit Lötlampen zu enteisen. In der Nacht des 29. Januar 1947 brannte das Gebäude hierdurch vollständig nieder. Der Brand loderte vier Wochen, da der Schlieffenberger See ebenfalls unter einer dicken Eisschicht lag und kein Löschwasser zur Verfügung stand. Im Mai 1947 sprengte man die verbliebenen Mauerreste und gab die Ruine als Steinbruch frei. Aus den Steinen des Schlosses baute man im Nachbarort Friedrichshagen 3 neue Bauernstellen. In den 1960er Jahren wurden die Wirtschaftsgebäude des Gutes abgebrochen, so dass heute nur noch das Inspektorhaus, die Gärtnerei und der Reitstall sowie eine Remise erhalten blieben. An der Stelle, an der einstmals das imposante Herrenhaus stand, zeugen heute nur noch zwei Kellereingänge am Wirtschaftshof und grüner Rasen nebst einigen Platanen von vergangener Pracht in Schlieffenberg.


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